WissenschaftlerInnen zeigen klebstoffproduzierende Tiere und Pflanzen: Anwendung in Medizin, Wundheilung und Kosmetik

Am 6. und 7. März findet im Naturhistorischen Museum in Wien eine Konferenz über Bioklebstoffe statt. Beim Publikumsevent am ersten Tag werden Salamander, Schnecken oder "Gecko-Tape" aber auch Medizinkleber gezeigt.
 

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Wien, 28. Februar 2017. Am 6. und 7. März 2017 veranstaltet das neu gegründete Europäische Netzwerk für Bioadhäsion (ENBA) sein erstes "Expertise Meeting" zum Thema Bioklebstoffe im Naturhistorischen Museum in Wien. Organisiert wird die Konferenz von zwei Wiener Vertretern des Netzwerks, Janek von Byern vom Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie und Norbert Cyran von der Core Facility Cell Imaging and Ultrastructure an der Universität Wien.

 

Hundert WissenschaftlerInnen, IngenieurInnen und VertreterInnen der Industrie werden sich mit der Vielfalt der biologischen Klebstoffe und deren Funktionsweise auseinandersetzen. Und sie werden diskutieren, wie teilweise giftige Klebstoffprodukte, die in der Medizin und Kosmetik verwendet werden, durch natürliche und ungiftige biologische Produkte ersetzt werden können.

 

Die beiden Zoologen Janek von Byern und Norbert Cyran beschäftigen sich seit mehr als zehn Jahren mit Klebstoffforschung und untersuchen derzeit die Klebstoffsekrete von nordamerikanischen Salamandern, neuseeländischen Insekten, die in Höhlen leben, thailändischen Zwergsepien aus den Mangrovenflüssen und der heimischen Weinbergschnecke. "Jeder Klebstoff ist in seiner Zusammensetzung und Verwendung einzigartig", sagt Cyran. "Wir brauchen ein breites methodisches und akademisches Netzwerk, um unsere Klebstoffe umfassend zu charakterisieren und von der Grundlagenforschung hin zur Anwendung zu kommen."

 

"Wir haben für unsere erste Konferenz bewusst das Naturhistorische Museum ausgewählt: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden sich von den Exponaten in den Ausstellungshallen des Museums inspirieren lassen, und vielleicht entdecken wir so ganz neue Haftsysteme", so von Byern.

 

Publikumsevent: klebstoffproduzierende Fliegen, Salamander oder Orchideen

 

Am 6. März findet im Museumsfoyer ein Publikumsevent statt (9:30-15:00 Uhr), bei dem die WissenschaftlerInnen Beispiele aus der Natur zeigen: Fliegen, Salamander und Schnecken, Orchideen und fleischfressende Pflanzen, sie alle produzieren Klebstoff.

 

Neben den biologischen Aspekten führen die WissenschaftlerInnen auch medizinische, technische und kosmetische Anwendungen vor, etwa "Gecko-Tape" oder selbstheilende Gele, und erklären die Gefahr kommerzieller Klebstoffprodukte in der Medizin, Kosmetik und im Haushalt. In Diskussion mit den BesucherInnen möchten die Klebstoff-ForscherInnen das Bewusstsein für bio-inspirierte Klebstoffe schaffen und ihre Vorteile im Vergleich zu industriellen chemischen Klebstoffen aufzeigen. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahres sowie für die Presse ist frei (Eintritt für Erwachsene: Kauf einer Eintrittskarte).

 

Biogewebekleber Fibrin: Wiener Erfolgsgeschichte seit 1970

 

Im Fachbereich Bioadhäsion gibt es eine lange Wiener Erfolgsgeschichte: Das körpereigene Gewebeklebemolekül Fibrin, gewonnen aus menschlichem Blutplasma, spielt eine zentrale Rolle beim menschlichen Wundverschluss. "Der weltweit angewandte biologische Klebstoff Fibrin wurde in den 1970er Jahren in Wien erfunden und ist bis heute der einzige medizinische Klebstoff, der wirklich biologisch ist. Fibrin hat im Vergleich zu einer Vielzahl anderer medizinischer Produkte auf chemischer Basis keine Nebenwirkungen und wird zu hundert Prozent biologisch abgebaut", erklärt Heinz Redl, der das Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie leitet, wo man seit über 40 Jahren diesen Klebstoff erforscht und verbessert.

 

"Es bleibt zu hoffen, dass die Wiener Klebstoffforschung weiter an diesem Thema picken bleibt und Fibrin nicht das letzte Kapitel unserer Erfolgsgeschichte bleibt", so Redl.

 

Konferenz: European Network of Bioadhesion Expertise Meeting

 

Das erste European Network of Bioadhesion Expertise Meeting findet am 6. und am 7. März 2017 im Naturhistorischen Museum in Wien statt, jeweils von 9:00-17:00 Uhr.

Kooperationspartner für die Konferenz sind das Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie, die Universität Wien, der Wiener Schneckenzüchter Andreas Gugumuck und das Unternehmen Trauma Care Consult. Das Europäische Netzwerk für Bioadhäsion wird über COST (Projekt CA15216) finanziert.

 

 

Rückfragen

Inhaltlicher Kontakt
Janek von Byern
Ludwig Boltzmann Institut für Experimentelle und Klinische Traumatologie
Donaueschingenstrasse 13, 1200 Wien
Tel. 0676 709 84 51
Janek [dot] von [dot] Byernattrauma [dot] lbg [dot] ac [dot] at

 

Pressekontakt
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Öffentlichkeitsarbeit
Ludwig Boltzmann Gesellschaft
Nußdorfer Straße 64, 1090 Wien
Tel. 01 513 27 50-28
emilie [dot] brandlatlbg [dot] ac [dot] at

 

 

Bildmaterial (Vorschau)

 

Ambystoma opacum mit Klebstoff

© Janek von Byern

 

Mytilus auf Teflon

© Ingo Grunwald

 

Salamanderklebstoff

© Janek von Byern

 

Glühwürmchen Arachnocampa

©Victoria Dorrer

 

Tintenfisch Idiosepius biserialis

© Janek von Byern

 

Selfhealing Poylmer

© Jose Miguel Martin Martinez

 

 

Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft schafft die Rahmenbedingungen, damit gezielt neue Forschungsthemen in Österreich angestoßen werden. Die LBG gibt Freiraum zum Querdenken und behandelt gesellschafts- und zukunftsrelevante Forschungsfragen. In 18 Instituten und Clustern befassen sich 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Themen aus den Health Sciences und den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften.

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