Seit wann sind unsere Berge schön?

William Barton_C_LBI_Neulatein

Am Ludwig Boltzmann Institut Neulatein fand man heraus, dass der Wechsel vom Berg als Bedrohung zum Berg als Sehnsuchtsort lange vor der Romantik passierte.

 

Innsbruck, 8. Februar 2017. Zu einem Zeitpunkt in der Geschichte änderte sich der Blick auf die Natur dramatisch. Plötzlich nahm man die Natur als etwas Schönes wahr und beschäftigte sich aus ästhetischer Perspektive mit den Erscheinungen der Natur. Speziell der Berg wurde vom bedrohlichen und hässlichen Ort aus Antike und Mittelalter zum schönen und reizvollen Sehnsuchtsort. Doch wann fand dieser Paradigmenwechsel statt?

 

William Barton, Wissenschaftler am Ludwig Boltzmann Institut für Neulateinische Studien, ging dieser Frage nach. Sein Buch zum Thema ist jetzt in Oxford und New York bei Routledge erschienen: "Mountain Aesthetics in Early Modern Latin Literature". Das Buch wird heute Nachmittag, 8. Februar, bei der alpinen Schi-Weltmeisterschaft in St. Moritz im Rahmen des "TirolBerg" vorgestellt.

 

Barton studierte bis dato unbeachtete neulateinische Quellen und widerlegte die bisherige communis opinio, die positive Wahrnehmung der Berge habe in der Romantik im 18. Jahrhundert mit Figuren wie Albrecht von Haller begonnen. Barton fand heraus, dass der Wechsel viel früher, und zwar schon in der neulateinischen Literatur der Renaissance und frühen Neuzeit, passierte – und damit schon im 16. Jahrhundert. Er identifizierte zwei Entwicklungen als Ursachen für diese neue positive Einstellung den Bergen gegenüber: "Im 16. Jahrhundert entwickelte man die Idee der 'Landschaft', auch in der Kunst, wo plötzlich Landschaftsdarstellungen ihren Eigenwert bekamen. Außerdem beschäftigte man sich mit dem Berg auch aus wissenschaftlicher und theologischer Sicht; Botaniker beispielsweise unternahmen gezielte Wanderungen in die Berge, um neue Pflanzen zu finden."

 

"Oft merken wir gar nicht, wie sehr sich unsere Wahrnehmung von unserer Umgebung verändert. Wenn wir die Prozesse für den damaligen Paradigmenwechsel erforschen, verstehen wir die aktuelle ästhetische Wahrnehmung der Natur besser. Dinge und Bereiche, die heute in unserer Einschätzung selbstverständlich erscheinen, waren oft dramatischen Wandlungsprozessen unterworfen", erklärt Barton.

 

Das Buch "Mountain Aesthetics in Early Modern Latin Literature" wurde am King's College London mit dem "Elsevier Outstanding PhD Thesis" Award ausgezeichnet. Es wird heute Nachmittag, 8. Februar, bei der alpinen Schi-Weltmeisterschaft in St. Moritz vorgestellt. Die Buchpräsentation findet im Rahmen des "TirolBerg" statt. Die Tirol Werbung zeigt, dass das Bundesland Tirol neben sportlichen auch geisteswissenschaftliche Spitzenergebnisse zu bieten hat. Das Ludwig Boltzmann Institut für neulateinische Studien hat seinen Sitz in Innsbruck und ist das weltweit größte Forschungszentrum für die lateinische Literatur der Frühen Neuzeit.

 

www.neolatin.lbg.ac.at

 

 

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