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Wien/Graz, Donnerstag, 14. März 2013 – Die telemedizinische Betreuung von Menschen mit Herzinsuffizienz (HI, „Herzschwäche“) mittels Mobil-Telefon („Smartphone“) und „Near Field Communication“-Technologie soll die Überwachung der Patienten zu Hause verbessern, ihre Behandlung optimieren, Verschlechterungen der Krankheit verhindern und damit erneute stationäre Aufnahmen vermeiden. Mit INTENSE-HF (INtegrated TElemonitoring and Nurse Support Evaluation in Heart Failure) startet jetzt die bisher größte in Österreich durchgeführte Studie zur Telemedizin bei HI. Diese Studie der MedUni Graz mit mehr als 300 Teilnehmern wird in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Translationale Herzinsuffizienzforschung (LBI.HF) durchgeführt.
Ein Schwerpunkt der Tätigkeit des LBI.HF ist die Versorgung von HI-Patienten, die wegen einer Verschlechterung dieser Krankheit soeben aus dem Krankenhaus entlassen wurden und ein sehr hohes Sterberisiko haben. „Hier untersuchen wir neue Ansätze, z. B. in Form einer telemedizinischen Betreuung“, sagt LBI.HF-Direktor Univ.-Prof. Dr. Burkert Pieske (Leiter der Klin. Abt. für Kardiologie an der MedUni Graz, Präsident der Österreichischen Kardiologengesellschaft) bei einem Pressegespräch in Wien. „Die mit Hilfe von Telemonitoring möglich gewordene enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt soll es ermöglichen, bei diesen Patienten so rechtzeitig gegen zu steuern, dass eine neuerliche Verschlechterung der Krankheit verhindert werden kann.“
In der INTENSE-HF-Studie werden HI-Patienten unmittelbar nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in das Telemonitoring-System aufgenommen. Sie bekommen ein Telemonitoring-Set mit Blutdruckmessgerät, Körperwaage, Mobiltelefon und Symbolkarte und werden eingeschult. Mit telemedizinischer Unterstützung übermitteln sie täglich via Smartphone und „Near Field Communication“-Technologie – mit ihr ist die Übertragung der Daten z. B. vom Blutdruckmessgerät auf das Mobiltelefon ohne Zutun des Patienten möglich – ihre Vital-Parameter (Blutdruck, Puls, Gewicht) und bestätigen die Einnahme der ausgewählten kardioaktiven Medikamente an die Monitoring-Zentrale. Die automatische Überwachung individueller Grenzwerte führt bei Über- oder Unterschreitung zu einer Meldung an den betreuenden Arzt zum Beispiel per E-Mail oder SMS.
„Eine neuartige Software analysiert die Daten und gibt dem Studienarzt Hinweise zur weiteren Verbesserung der HI-Behandlung“, sagt Univ.-Prof. Dr. Friedrich Fruhwald (Key Researcher Telemedicine, LBI.HF, Klin. Abt. für Kardiologie der MedUni Graz). „Ist zum Beispiel der Puls an fünf von sieben aufeinanderfolgenden Tagen erhöht, bekommt der Arzt den Vorschlag übermittelt, dass gemäß den Guidelines der Europäischen Kardiologengesellschaft eine Dosissteigerung des Betablockers überlegenswert wäre. Analoges gibt es für den Blutdruck mit ACE-Hemmern, und für das Körpergewicht, wobei hier vor allem auf rasche, innerhalb von zwei Tagen auftretende Schwankungen reagiert wird.“ Ob der Arzt diese Empfehlung übernimmt oder nicht, ist seine Entscheidung. Prof. Fruhwald: „Er muss diese aber auf jeden Fall dokumentieren.“
Feedback-Mechanismen und geschlossener Monitoring-Kreislauf verbessern Compliance
Über das WEB-Interface kann die betreuende Person auch eine persönliche Feedback-Nachricht verfassen und diese an das Endgerät des Patienten übermitteln. Eine integrierte Lesebestätigung gibt dem Betreuer die Gewissheit, dass die Nachricht beim Patienten angekommen ist.
„Die Compliance ist für eine wirksame Therapie von Patienten mit chronischen Erkrankungen sehr bedeutsam. Die Erfahrungen mit Telemonitoring zeigen, dass Patienten die Vorteile eines geschlossenen Monitoring-Kreislaufs verstehen und annehmen, was sich in einer verbesserten Therapietreue ausdrückt“, so Prof. Pieske. Im Falle von fehlenden Werten kann die integrierte Erinnerungsfunktion Patienten z. B. an die Einnahme von Medikamenten oder die Durchführung von Übungen erinnern. Diese Erinnerungen werden am Benutzerterminal grafisch und akustisch angezeigt.
Herzinsuffizienz – eine große Herausforderung für die moderne Herzmedizin
HI stellt die moderne Herz-Medizin vor besondere Herausforderungen. HI – in Österreich sind etwa 300.000 Menschen daran erkrankt – beeinträchtigt die Lebensqualität massiv bis hin zur Invalidität. 50 Prozent der Menschen mit der Diagnose HI sterben innerhalb von 4 Jahren, über 50 Prozent der Menschen mit „schwerer“ HI innerhalb eines Jahres. Bei HI kommt es 6-mal bis 9-mal so häufig zu einem tödlichen Herzstillstand, wie bei gesunden Menschen.
Erschwerend wirkt sich aus, dass es zwei Formen von HI gibt: Die systolische HI, bei der die Pumpkraft vermindert ist, und die diastolische HI, bei der sich das versteifte Herz nicht mehr mit Blut füllt. Klinisch sind die beiden Formen nicht voneinander zu unterscheiden. Typische Symptome sind Atemnot bei Belastung, reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit, Wassereinlagerungen (Ödeme), eventuell Herzrhythmusstörungen. Während Medikamente bei der systolischen HI die Lebensqualität verbessern und die Lebenserwartung erhöhen können, gibt es bei der diastolischen HI – jeder zweite HI-Patient leidet an dieser Form – bisher keine wirksamen Medikamente.
Weil bei fortgeschrittener HI die Herztransplantation die einzige Heilungsmöglichkeit ist, ist die Erforschung neuer Möglichkeiten zur Früherkennung, Risikoabschätzung und Behandlung der HI von großer Bedeutung. Diesen Aufgaben hat sich das LBI.HF verschrieben, ein in dieser Art einzigartiges Forschungsinstitut. „Wir erforschen erstmalig von der Zelle bis zum Menschen neue Wege zur Behandlung der HI“, so Prof. Pieske. „Das Spektrum unserer wissenschaftlichen Arbeit reicht von der Erforschung der Ursachen der HI auf zellulärer und molekularer Ebene über die Erforschung neuer Biomarker zur frühzeitigen Erkennung der HI, bis hin zur Erforschung der Betreuung zu Hause.“
Zu diesem Zweck haben sich neben der Förder- und Trägerinstitution der Ludwig Boltzmann Gesellschaft die Medizinische Universität Graz, das Austrian Institut of Technology, Bayer HealthCare, die Karl-Franzens-Universität Graz, die Steiermärkische Gebietskrankenkasse, die Steiermärkische Krankenanstalten GmbH und T-Mobile zusammengetan.
Uneinheitliche Studienlage – MOBITEL zeigt signifikante Verbesserung der Therapieergebnisse
„Derzeit kann der Stellenwert der Telemedizin noch nicht endgültig beurteilt werden“, bilanziert Prof. Fruhwald. „Es gab Studien, die einen Benefit für die telemedizinische Betreuung zeigen konnten, bei anderen war das nicht möglich. Der Grund dafür dürfte in der Auswahl der Patienten und im Zeitpunkt des Betreuungsbeginns liegen. Je ‚kränker‘ das untersuchte Kollektiv war, desto eher zeigte sich ein Benefit. Je ‚gesünder‘ das Kollektiv, desto weniger konnte gefunden werden. Wohl auch deshalb, weil diese Patienten ohnehin eine gute Lebensqualität haben und bei ihnen instabile Phasen selten sind. Diese Instabilitäten sind es aber, die besonders gefährlich sind.“
Die insgesamt recht uneinheitlichen Studienergebnisse könnten unter anderem auch daran liegen, dass die bisher gewählten Arten der telemedizinischen Überwachung für das vor allem ältere Klientel nicht geeignet waren: Kommunikation per Telefon mit digitalen Wählsystemen schreckte viele Patienten ab.
Die erste in Österreich durchgeführte Studie zur telemedizinischen Betreuung von HI-Patienten war die von Graz aus durchgeführte randomisierte, multizentrische MOBITEL-Studie. Weil es damals technisch noch nicht möglich war, die Messwerte automatisch z. B. von einem Blutdruckmesser auf das Handy zu übertragen, musste alles manuell eingetippt werden. „Entsprechend gab es Probanden, die ihre Teilnahme an dieser Studie abgebrochen haben“, so Prof. Fruhwald. „Trotzdem konnten wir zeigen, dass diese Form der Betreuung einen Benefit für Patienten bringt. MOBITEL belegt eine signifikante Verbesserung der Behandlungsergebnisse. Es wurde eine verringerte Häufigkeit und Dauer der Krankenhausaufenthalte im Vergleich zu den Patienten in der Kontrollgruppe festgestellt.“
„Ausgezeichnetes Partnerschaftsmodell für innovatives wissenschaftliches Arbeiten“
Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ist eine private Trägerorganisation für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zur Förderung und Unterstützung von Grundlagen- und angewandter Forschung. Leitgedanke der LBG ist es, geeignete Strukturen zu schaffen, um gesellschafts- und wissenschaftsrelevante Forschungsfragen zu adressieren. „Die LBG will Spitzenforschung auf höchstem Niveau initiieren und ermöglichen, und dadurch den Forschungsstandort Österreich stärken“, so Dr. Peter Mayrhofer (Bereichsleiter Medizin & Life Sciences, LBG). „Das tun wir, indem wir forschende und forschungsanwendende Partner im Rahmen eines tragfähigen Modells zu einem LBI zusammen führen. Wir sehen uns dabei als Impulsgeber und Innovatoren, und schaffen dafür die optimalen Rahmenbedingungen.“
Die Forschung der LBG spannt den Bogen von der Grundlagenforschung über die anwendende Forschung bis hin zu Forschungs- und Entwicklungsarbeiten. Dieser translationale Ansatz ermöglicht einen gegenseitigen Know-how-Fluss und eine starke Einbindung forschungsanwendender Partner.
Ein LBI ist auf eine Laufzeit von 7 Jahren eingerichtet, mit dem Ziel der Nachhaltigkeit bzw. der Integration in eine Partnerorganisation. Damit sollen bestehende Kooperationen und erarbeitetes Know-how dem Forschungsstandort Österreich erhalten bleiben. Nach dieser Innovationsphase gibt es die Möglichkeit einer Weiterführungsphase für weitere 7 Jahre, der auch ein klares Konzept für die Eingliederung in eine Partnerorganisation zugrunde liegen muss. Dr. Mayrhofer: „Das kann in Form eines neuen Schwerpunkts an einer beteiligten Partneruniversität geschehen, als Integration in ein Partnerunternehmen oder durch die Weiterführung der öffentlichen Hand. Auch Unternehmensgründungen sind möglich.“
„T-Mobile ist ‚Enabler‘ für neue Möglichkeiten im Gesundheitsbereich.“
„T-Mobile versteht sich als ‚Enabler‘ für neue Möglichkeiten, die digitale Technologien und mobile Datenverbindungen im Gesundheitsbereich eröffnen“, so Dr. Andreas Bierwirth (Vorsitzender der Geschäftsführung, T-Mobile Austria). Dazu bringt das Unternehmen zwei Kernkompetenzen ein: Das flächendeckendes Netz, mit dem T-Mobile die oft lebenswichtigen Daten verlässlich und sicher übertragen kann. Dr. Bierwirth: „Vor allem bezüglich Sicherheit erfüllen wir strenge, auch von Behörden kontrollierte Auflagen in Hinblick auf die Verschlüsselung von Daten, der sicheren Übermittlung und des Datenschutzes. Dies kann von offenen Internet-Plattformen nicht gewährleistet werden.“
Die andere Kernkompetenz ist die Evolution von Smartphones und anderen mobilen Geräten zu Universalbegleitern des Alltags, die bei gesundheitsbewusstem Lebensstil ebenso wie im Krankheitsfall unterstützen können. Dr. Bierwirth: „Zusammen mit unserer Unternehmensschwester T-Systems können wir diese Funktionen auch über medizinische Portale verbinden. Über die Portale können Patienten ihre Daten eingeben, Mediziner diese Daten überwachen und dadurch bei Bedarf rasch eingreifen und die Patienten unterstützen.“
Zahlreiche Apps aus dem Fitness- und Ernährungsbereich ermöglichen es, gesundheitsbewusst zu leben. Bei Gesundheitszubehör wie Waagen, Blutdruck- und Blutzuckermessern können Daten mit Hilfe von Smartphones gesammelt und ausgewertet werden. Die Möglichkeiten von eHealth reichen bis zur Hilfe bei chronischen Erkrankungen oder Risiken, wie in der INTENSE-HF-Studie.
„Beispielhafte Zusammenarbeit zwischen medizinischer und IT-Spitzenexpertise.“
„Das AIT besitzt eine international anerkannte Expertise im Bereich der Integration von medizinischen Versorgungsprozessen in moderne Informations- und Kommunikationstechnologien“, so DI Helmut Leopold (Head of Safety & Security Department, Austrian Institute of Technology). Strategisches Ziel im AIT Safety & Security Department ist es, in enger Zusammenarbeit mit medizinisch führenden Institutionen neue Therapien und Betreuungsprozesse durch den Einsatz von innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien, d. h. Telemedizin-Technologien, zu entwickeln und zu validieren. DI Leopold: „In diesem Kontext stehen daher bei AIT-Forschungsprojekten die Bestimmung und Überprüfung eines klaren Patienten- und Medizin-Nutzens sowie die Realisierung von Technologien mit höchsten Sicherheitsstandards im Vordergrund.“
Im Rahmen des gemeinsamen Projektes am LBI.HF wird nun medizinische Spitzenforschung mit modernsten Telemedizin-Technologien zur Entwicklung von neuen Therapie- und Betreuungsmöglichkeiten für Patienten mit HI vereint, so DI Leopold: „Mit dieser beispielhaften Zusammenarbeit zwischen medizinischer und IT-Spitzenexpertise haben wir ein interdisziplinäres Forschungsvorhaben etabliert, mit dem wir international eine Vorreiterrolle übernehmen.“
Pressefotos ab ca.13h (14.3.2013): http://www.bkkommunikation.com/de/journalistenservice/fotos/article/2697/
Kontakt: B&K - Bettschart&Kofler Kommunikationsberatung GmbH
Mag. Thea Roth, Tel: +43 1 319 43 78 11; roth@bkkommunikation.com
Das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte und Gesellschaft
präsentiert am 13. März 2013
die Ergebnisse des Projekts„Media Wien“
„Media Wien“ ist ein großteils ungesichteter Bestand von sogenannten „sponsored films“ im Auftrag der Stadt Wien. Dieser Bestand aus Dokumentationen, Werbe- und Industriefilmen, Wochenschauen und Amateuraufnahmen reicht bis 1910 zurück und bildet eine wesentliche Quelle für die visuelle Geschichte der Stadt.
Im Rahmen des Projekts „media wien“ werden rund 200 Filme filmwissenschaftlich analysiert und historisch kontextualisiert sowie nach Kategorien neuer stadtgeschichtlicher Konzepte für eine Datenbank erschlossen.
Vortrag und Filmvorführung im Rahmen der Präsentation:
"Ephemeres Stadtbild - Die Filmsammlung media wien des Wiener Stadt- und Landesarchivs".
Vortragender: Univ.Doz. Dr. Siegfried Mattl, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Geschichte und Gesellschaft
Projekt "Media Wien"
Projektleitung: Siegfried Mattl
Projektmitarbeiter: Christiana Perschon, Michaela Scharf, Jakob Zenzmaier
Kooperationspartner: Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wiener Stadt- und Landesarchiv
Wirtschaft. Macht. Geschichte
Brüche und Kontinuitäten im 20. Jahrhundert. Festschrift Stefan Karner.
Die zum 60. Geburtstag von Stefan Karner publizierte Festschrift entwirft in rund 50 Beiträgen ein detailliertes Bild von Bruchlinien und Kontinuitäten im 20. Jahrhundert, Folgen von Krieg und Gewalt sowie den Themenblöcken Wirtschaft, Macht, Spionage und Identität, Erinnerung, Geschichtspolitik. Damit spiegelt das Buch die vielfältigen Forschungsfelder des international anerkannten und renommierten Wissenschafters wider. Karner ist Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Ludwig Boltzmann Cluster Geschichte).
Zum Buch:
Gerald Schöpfer, Barbara Stelzl-Marx (Hg.)
Wirtschaft. Macht. Geschichte
Brüche und Kontinuitäten im 20. Jahrhundert. Festschrift Stefan Karner.
688 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
€ (A) 34, 90
Subskriptionspreis bis 28.2.2013: € (A) 29,90
Zu bestellen über: verlag@leykam.com
Das Autoren- und Inhaltsverzeichnis findet sich auch unter: www.bik.ac.at
Die Herausgeber:
Gerald Schöpfer (Hg.)
o. Univ.-Prof. DDr., langjähriger Leiter des Grazer Instituts für Wirtschafts- und Sozial- und Unternehmensgeschichte, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates von Joanneum Research, Österreichs Vertreter in der ECRI-Kommission des Europarates in Strasbourg, Präsident des Steirischen Roten Kreuzes.
Barbara Stelzl-Marx (Hg.)
Doz. Mag. Dr., stv. Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (BIK), Graz– Wien, Vizepräsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission, Wien, Lektorin an der KF Uni Graz.
Grosses Goldenes Ehrenzeichen des Landes Kärnten für Stefan Karner
Am 11. Februar 2013 erhielt Univ. Prof. Dr. Stefan Karner, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, Graz-Wien-Klagenfurt, und Vorstand des Instituts für Wirtschafts-Sozial- und Unternehmensgeschichte der Universität Graz, im Spiegelsaal der Kärntner Landesregierung in Klagenfurt das Große Goldene Ehrenzeichen des Landes Kärnten verliehen.

Landeshauptmann Dörfler begründete die Auszeichnung in seiner Rede mit den großen Verdiensten Karners und seines LBI für Kriegsfolgenforschung in der Erforschung der Kärntner und österreichischen Zeitgeschichte, vor allem auch im Kontext der Lösung der Ortstafelfrage, aber auch im Bereich der Forschungen zu Kärntner Kriegsgefangenen in der ehemaligen Sowjetunion und die Herausgabe der 5-bändigen wissenschaftlichen Reihe "Kärnten und die nationale Frage", die wesentlich mithalf, den Boden zur Lösung der Ortstafelfrage aufzubereiten.
Christian Konrad, langjähriger Präsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, dessen Amt im Herbst letzten Jahres Josef Pröll übernommen hatte, wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.
Er habe sich besondere Verdienste um Wissenschaft und Kunst erworben, unter anderem als Präsident der außeruniversitären Forschungseinrichtung Ludwig Boltzmann Gesellschaft, die er zehn Jahre erfolgreich und umsichtig geführt habe, so Bundespräsident Heinz Fischer, der Konrad am 17. Jänner die Auszeichnung überreichte.
Prof. DI Dr. Heinz Redl, Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für experimentelle und klinische Traumatologie wurde zum neuen Präsidenten des „European Chapter“ der Tissue Engineering and Regenerative Medicine International Society (TERMIS) gewählt.
TERMIS ist die internationale Vereinigung von Personen, die an der Forschung der Geweberegeneration bzw. des „Tissue Engineering“ und der regenerativen Medizin (engl. Regenerative Medicine) interessiert sind. Heinz Redl ist es gelungen den TERMIS Weltkongress, der nur alle drei Jahre stattfindet, 2012 nach Wien zu bringen.
Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Historikerin und stv. Leiterin des Grazer Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, wurde mit dem Jubiläumspreis des Böhlau Verlages für ihre Habilitationsschrift „Stalins Soldaten in Österreich. Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945-1955“ ausgezeichnet.
„Stalins Soldaten in Österreich“ ist im Mai 2012 im Böhlau Verlag erschienen und stieß auf hohes öffentliches Interesse und Medienecho. Stelzl-Marx behandelt im Buch die individuellen Erlebnisse von Armeeangehörigen und Offiziersfamilien, das Alltagsleben in den Kasernen, ihre Freizeitaktivitäten, ideologischen Schulungen sowie Strafen für Vergehen bis hin zum Umgang mit „Russenkindern“ und verbotenen Liebesbeziehungen.
Auf der Basis von Archivdokumenten, Armeezeitungen, Interviews, Fotografien, Dokumentarfilmen und Memoiren entwirft sie ein detailliertes Bild der Wahrnehmung von Kriegsende und Besatzungszeit sowie der institutionalisierten und privaten Erinnerung in der (post-)sowjetischen Gesellschaft.
Die Arbeit wurde mit dem Josef-Krainer-Würdigungspreis 2012 für Zeitgeschichte und nun mit dem Jubiläumspreis des Böhlau Verlages 2012 ausgezeichnet.
Die Preisträgerin:
Barbara Stelzl-Marx studierte Geschichte, Anglistik/Amerikanistik und Slawistik an den Universitäten Graz, Oxford, Volgograd und der Stanford University. In den Jahren 2005 bis 2008 bereitete sie im Rahmen eines APART-Stipendiums der ÖAW ihre Habilitation im Fach „Zeitgeschichte“ vor, die sie 2010 erfolgreich abschloss. Sie ist stv. Institutsleiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Lehrbeauftragte an der Universität Graz. Seit 2011 ist sie Vizepräsidentin der Österreichischen UNESCO-Kommission.
Der Preis:
Der Jubiläumspreis des Böhlau Verlages Wien wird an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit österreichischer Staatsbürgerschaft verliehen, die das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben und eine wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der historischen Disziplinen, im weitesten Sinne verstanden, vorgelegt haben, die veröffentlicht wurde oder zur Veröffentlichung geeignet ist.
Lesen Sie >>hier ein Portrait der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, welches in "International Innovation", der Healthcare Ausgabe des ResearchMedia Verlags erschienen ist.
Immer wieder werden Forschungsergebnisse der Ludwig Boltzmann Institute und Cluster im renommierten Forschungsmagazin „Nature“ veröffentlicht.
Erst im Oktober gab es von zwei Krebsforschungsinstituten der LBG eine Veröffentlichung:
Ludwig Boltzmann Institut Krebsforschung (LBI CR)
Neue Krebs-Therapie erfolgreich von Maus auf Mensch übertragen - Neue Therapie für Lymphom rettet todkrankem Patienten das Leben.
Wissenschaftler am Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI CR) und am Klinischen Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Wien (AKH) unter der Leitung von Prof. Lukas Kenner untersuchten einen besonders aggressiven Tumor, das anaplastische großzellige Non-Hodgkin Lymphom (anaplastic large cell lymphoma – ALCL). Unter Verwendung eines genetischen Modells, das diese Erkrankung in der Maus exakt widerspiegelt konnten sie die zentrale Rolle des Schaltermoleküls PDGFR identifizieren.
Ihre Ergebnisse ermöglichten dem Team um Kenner einen todkranken Patienten im Endstadium ALCL mit einem spezifischen PDGFR-Inhibitor zu behandeln. Innerhalb von nur 10 Tagen war der 27-jährige Patient tumorfrei, und führt seit mehr als 22 Monaten ein vollkommen normales Leben. Ohne diese Behandlung wäre der Patient vermutlich verstorben.
Artikel: http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.2966.html
Laimer et al. “Identification of PDGFR blockade as a rational and highly effective therapy for NPM-ALK driven lymphomas.” Nature Medicine (2012)
>>Link zur Website des LBI CR und weiteren Pressemeldungen
Ludwig Boltzmann Cluster Oncology (LB-CO):
Der Ludwig Boltzmann Cluster trägt zur Klassifikation der Neoplastischen Stammzellen bei.
Wie entsteht Krebs und wie entwickeln sich Krebsstammzellen? Diese Fragen stellt man seit geraumer Zeit, ohne befriedigende Antworten zu finden.
Der Vienna Cancer Stem Cell Club (VCSCC) und der Ludwig Boltzmann Cluster Oncology um Professor Dr. Peter Valent (Medizinische Universität Wien, Klinik für Medizin I) beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Evolution der Krebsstammzellen. Ein zentrales Thema im LB-CO ist es, wirksame Medikamente und Therapien zu entwickeln, welche die Krebsstammzellen nachhaltig hemmen oder komplett vernichten.
Im Jahre 2011 organisierte der VCSCC unter der Federführung von Professor Valent eine Arbeits-Konferenz (Year 2011 Working Conference on Cancer Stem Cells) zu diesem Themenbereich in Wien, an der auch zahlreicher Vertreter des LB-CO teilgenommen haben. Die daraus resultierenden Empfehlungen zur Definition und Klassifikation der neoplastischen Stammzellen erschienen in der Oktoberausgabe des Fachjournals „Nature Reviews Cancer“
Im Rahmen der Konferenz "Besatzungskinder in Österreich und Deutschland", welche das LBI für Kriegsfolgenforschung am 27. September an der Diplomatischen Akademie Wien veranstaltet, wird erstmals ein Überblick über die Situation der Besatzungskinder in den unterschiedlichen Besatzungszonen Österreichs und Deutschlands, ihre Sozialisations- und Lebensbedingungen sowie ihre weiteren Biografien gegeben werden. Die Rolle der (Nachkriegs-) Gesellschaften wird dabei ebenso berücksichtigt wie jene der (ehemaligen) Besatzungsmächte. Diese akribische Spurensuche soll dieses vielfach bis heute tabuisierte Thema der Öffentlichkeit zugänglich machen und eine Lücke
in der Zeitgeschichteforschung schließen.
>> Zum Detailprogramm der Konferenz
Zum Thema:
Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in ganz Österreich und Deutschland sogenannte Besatzungskinder auf die Welt: als Folge freiwilliger sexueller Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und Besatzungsangehörigen, aber auch als Folge von Vergewaltigungen.
Sie galten als „Kinder des Feindes“, obwohl die Väter de jure keine Feinde mehr waren, und waren – gemeinsam mit ihren Müttern – meist unterschiedlichen Formen von Diskriminierung ausgesetzt.
Gerade Kinder sowjetischer und „farbiger“ französischer Besatzungsangehöriger oder schwarzer GIs bildeten eine Angriffsfläche für rassische, ideologische und moralische Vorurteile, was zum Teil auch eine Folge der NS-Propaganda darstellte.
Gemäß Stalins Politik waren Eheschließungen zwischen sowjetischen Soldaten und österreichischen bzw. deutschen Frauen so gut wie ausgeschlossen. Die meisten Armeeangehörigen wurden sogar zurück in die UdSSR versetzt, sobald eine derartige Liaison publik wurde.
Jahrzehntelang war ein Kontakt beinahe unmöglich. Aber auch in den westlichen Besatzungszonen, in denen nach der Aufhebung des Fraternisierungsverbotes Eheschließungen zwischen Besatzungssoldaten und einheimischen Frauen erlaubt waren, wuchs die Mehrheit der Besatzungskinder als eine vaterlose Generation auf. Ohne Unterhaltszahlungen lebten viele dieser „unvollständigen“ Familien in finanziell
schwierigsten Verhältnissen.
Bei einem großen Teil der Besatzungskinder sind die Folgen der negativen individual-psychischen und psychosozialen Erfahrungen bis heute bemerkbar. Auch die gesellschaftliche Ächtung – oder die Angst davor – ist im näheren Umfeld teilweise nach wie vor spürbar. Gleichzeitig sind viele der Betroffenen von Tabuisierungen, Verheimlichungen und Lügen umgeben. Dies ist besonders schmerzhaft, wenn wenig bis nichts vom Vater bekannt ist. Die Suche nach dem Vater ist für viele der Betroffenen Zeit ihres Lebens ein
Thema.