24.11.2021 von

Kalter Krieg reloaded? Abschied vom Antikommunismus?

Der Beitrag aus der Reihe Ö1 Science Arena ist bis zum 1. Dezember online verfügbar.

Bis 1989 und noch darüber hinaus starrten Öffentlichkeit, Medien und Wissenschaft auf den Ost-West-Konflikt wie das Kaninchen auf die Schlange. Er war das “Urmeter” der Betrachtung der biopolaren Welt und der Einteilung in Gut und Böse, je nach Standpunkt. Auch Jahrzehnte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gehöre der Antikommunismus zum Grundkonsens der Zweiten Republik in Österreich und das zu Unrecht, meint der Wiener Journalist Georg Friesenbichler. In seinem soeben erschienenen Opus magnum “Verdrängung. Österreichs Linke im Kalten Krieg” plädiert er dafür, die Linke in Österreich aus dem Schmuddeleck zu holen: “Der Antikommunismus, der in der Besatzungszeit die zwei großen Parteien zusammenschweißte, hat dazu geführt, dass sich in der österreichischen Gesellschaft eine konservative Grundtönung durchgesetzt hat – was bis heute nachwirkt.”

Doch hält das einer nüchternen historischen Betrachtung stand? Steht nicht der Kommunismus für Diktatur, Hunger, Gewalt und millionenfaches Leid? War und ist die Skepsis der Österreicher/-innen daher nicht berechtigt?
“Der Antikommunismus der österreichischen Bevölkerung wurzelt weniger in einer konservativen Ideologie, als in der Angst, nach dem Ende des Nationalsozialismus in eine weitere totalitäre Diktatur zu geraten”, sagt der Historiker Peter Ruggenthaler, der stellvertretende Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung in Graz, der seit Jahren die Sowjetherrschaft in Österreich 1945-55 beforscht.

Eine Diskussion unter der Moderation von Martin Haidinger.

Georg Friesenbichler: Verdrängung. Österreichs Linke im Kalten Krieg 1945-1955. Studien Verlag Wien Innsbruck 2021

Günter Bischof, Peter Ruggenthaler :Österreich und der Kalte Krieg- ein Balanceakt zwischen Ost und West, erscheint im Frühjahr 2022 bei Leykam