07.12.2021 von

Neues Forschungszentrum für Transitionspsychiatrie in Tulln

Die LBG Forschungsgruppe DOT und die Karl Landsteiner Privatuniversität setzen mit dem innovativen Zentrum die Psyche von jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren in den Fokus.

Etwa 80% aller psychischen Erkrankungen treten das erste Mal in der Jugendzeit auf. Für betroffene Jugendliche besteht jedoch oftmals eine Versorgungslücke, da weder die Angebote der Kinderpsychiatrie noch die der Erwachsenpsychiatrie adäquat oder attraktiv erscheinen. Das hat Auswirkungen auf den weiteren Lebensweg und auch die Gesellschaft, da unbehandelte psychische Probleme Betroffene ihr Potential nicht voll erreichen lassen, sodass Einbußen im alltäglichen Leben die Folge sind.  Genau dort setzen die Forschungsgruppe DOT („Die offene Tür“) der Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) und die Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) an und legen den Grundstein für ein in Österreich derzeit einzigartiges Forschungszentrum für Transitionspsychiatrie.  

Forschungszentrum mit Open Innovation in Science Ansatz

Im Forschungszentrum für Transitionspsychiatrie werden die Forschungsarbeiten zum Verständnis von psychischer Entwicklung im Jugendalter, Prävention psychischer Erkrankungen und Interventionen von DOT aufgegriffen und im Sinne des Open Innovation in Science (OIS) Ansatzes weitergeführt. Betroffene sind in alle Forschungsschritte, von der Konzeptualisierung über die Auswertung und Interpretation von Daten bis hin zur Verbreitung von Ergebnissen quasi als Mitforschende in den Prozess eingebunden. Dazu zählt auch die Etablierung eines klinischen Forschungsbereichs. Die zweite Tullner Werkstätte „Entwicklung darf keine Pause machen!“ im Februar 2022 setzt den Auftakt dazu. Patient:innen, Angehörige und psychosoziales Versorgungspersonal diskutieren dabei gemeinsam was gute Transitionspsychiatrie braucht.

Anhand der Arbeit von DOT ist sehr schön zu erkennen, wie die frühe Einbindung von Betroffenen in die Forschung Lösungen zum konkreten Wohle der Menschen schafft. Wir sind sehr stolz, dass die exzellente Arbeit einer unserer Forschungsgruppen in dieses innovative Forschungszentrum mündet.

Claudia Lingner, Geschäftsführerin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Entscheidende Vorarbeit durch die LBG Forschungsgruppe DOT

DOT entstand in einem partizipativen Prozess im Rahmen eines Ideas Lab und wurde 2018 von LBG und KL in Krems etabliert. Die international und interdisziplinär zusammengestellte Forschungsgruppe arbeitet seither in Niederösterreich nach OIS-Prinzipien an Themen der psychischen Gesundheitsförderung bei Jugendlichen, Prävention psychischer Erkrankungen und Frühintervention. Dem folgend hat DOT ein breites Netzwerk an Stakeholdern aufgebaut, das von Schulsystem und Bildungseinrichtungen über psychosoziale Versorgungseinrichtungen und Vereine bis hin zu den Jugendlichen selbst reicht.

Ich freue mich, dass dieses wichtige Thema im neuen Forschungszentrum weitergetragen wird. Es ist ganz im Sinne unseres Open Innovation in Science Ansatzes, auch weiterhin möglichst viele Stakeholder zur Teilnahme einzuladen und am gemeinsamen Ziel zu arbeiten.

– Beate Schrank, Leiterin der LBG Forschungsgruppe DOT

Ein weiteres erfolgreiches Beispiel für die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Stakeholdern ist die anonyme und kostenlose Plattform OPENtalk (opentalk.at) auf der Jugendliche online mit Gleichaltrigen über ihre Sorgen, Fragen und Probleme chatten können. OPENtalk wurde von DOT entwickelt und wird seit 1. Dezember von der Caritas St. Pölten betrieben. Nun, am Ende der vierjährigen Laufzeit der Forschungsgruppe konnte durch die Weiterführung der Forschungsarbeit von DOT ein erneuter Erfolg in Niederösterreich erreicht werden.

Weitere Informationen zur Arbeit von DOT – Die offene Tür
a. Hilfe für Jugendliche