Kaan Boztug und Elisabeth Salzer vom Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases erhalten Auszeichnungen der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – die Ludwig Boltzmann Gesellschaft gratuliert sehr herzlich

Kaan Botzug, Direktor des Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases, erhält den Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Preis für Medizin 2018 in Anerkennung seiner Leistungen bei der Erforschung von angeborenen Störungen der Immunabwehr.

Kaan Boztug untersucht die genetischen Ursachen von angeborenen Fehlern des Immunsystems, um essentielle physiologische Prinzipien der menschlichen Immunität zu entschlüsseln und zugleich die Beziehung zwischen fehlgelenkter Immunität und Krebs zu untersuchen. Seine Forschungsgruppe verwendet detaillierte zellbiologische Studien und chemische Screening-Methoden, um maßgeschneiderte Behandlungen für solche Krankheiten zu identifizieren. Mit seinem Team hat er wichtige Beiträge für den Forschungsbereich geleistet, indem er verschiedene angeborene Erkrankungen identifiziert und charakterisiert hat, darunter Knochenmarksversagen (verursacht durch G6PC3- oder JAGN1-Mangel), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (verursacht durch IL10R-, IL21- oder CD55-Mangel) und Mängel an PRKCD, NIK, DOCK2 und RASGRP1, welche zu kombinierten Immundefekten führen.

Kaan Boztug studierte Medizin in Düsseldorf, Freiburg und London und machte sein Doktorat am Scripps Research Institute in La Jolla, USA. Als Postdoc absolvierte er eine klinische Ausbildung an der Medizinischen Hochschule Hannover. Seit 2011 forscht er am CeMM – Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW ist und Associate Professor an der Medizinischen Universität Wien. Er ist Leiter des Vienna Center for Rare and Undiagnosed Diseases der MedUni sowie des Jeffrey Modell Diagnostic and Research Center Vienna am St. Anna Kinderspital.

Förderpreise für Nachwuchs in der Medizin

Weiters erhält Elisabeth Salzer, Postdoc am Ludwig Boltzmann Institute for Rare and Undiagnosed Diseases, den Johann Wilhelm Ritter von Mannagetta-Förderpreis für Medizin 2018 in Anerkennung ihrer Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der angeborenen Immundefizienzen.

Das Immunsystem hat die Aufgabe, Krankheitserreger und Schadstoffe, zu erkennen und wenn möglich zu eliminieren. Bei Patienten mit angeborenen Störungen des Immunsystems kann es durch eine fehlerhafte Steuerung dieser Prozesse zu schweren Infektionen, Autoimmunität oder Krebserkrankungen kommen. Bei einem Patienten mit rezidivierenden schweren Lungenentzündungen und Lymphdrüsenkrebs identifizierte Elisabeth Salzer einen Defekt im Gen RASGRP1 – das Genprodukt erwies sich als ein Schlüsselprotein in der Entwicklung von Lymphozyten, den Hauptakteuren des menschlichen Immunsystems. Vor dieser Studie war weder etwas über die genaue Rolle des Proteins im Menschen bekannt, noch eine Mutation beschrieben worden, die es funktionsuntüchtig macht. Elisabeth Salzer konnte nun zum ersten Mal eine Verbindung zwischen dem Fehlen von RASGRP1 und möglichen Funktionen des Proteins im menschlichen Organismus herstellen und diese erforschen, wobei sie auch eine unerwartete Funktion entdeckte: Das Protein ist u.a. für die Ausbildung des Zytoskeletts, des Rückgrats jeder Zelle, von essentieller Bedeutung. Dieses Verständnis ermöglicht es, Wirkstoffe für eine potentielle zielgerichtete Therapie dieser neuartigen Immunschwäche zu untersuchen.

 

Link:

https://www.oeaw.ac.at/detail/news/oeaw-zeichnet-kaan-boztug-mit-mannagetta-preis-fuer-medizin-aus-1/