Maßnahmenpaket für psychische Gesundheit trotz Pandemie

Auf Basis einer aktuellen Open-Innovation-Studie präsentiert die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) ein Maßnahmenpaket zur Stärkung der psychischen Gesundheit während und nach der Corona-Krise.

Seit Frühjahr 2020 haben verschiedenste wissenschaftliche Institutionen wiederholt die negativen psychischen Gesundheitsauswirkungen der Corona-Pandemie beschrieben. Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG) stellt nun mit der Präsentation ihrer aktuellen Studie erstmals konkrete Lösungsansätze zur Diskussion. Ausgangspunkt dafür ist die Ende April gestartete LBG-Initiative „Reden Sie mit! Was macht Corona mit unserer psychischen Gesundheit?“. Auf Basis der Beiträge von über 800 Betroffenen durch ein Crowdsourcing konnte neues Wissen eingebracht und anschließend in einem Co-Creation-Prozess mithilfe von namhaften WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen neun konkrete Maßnahmen sowie sieben weitere relevante Forschungsbereiche definiert werden.

Doris Schmidauer, Ehefrau von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, unterstützt die Initiative als zentrales Mitglied des Unterstützungskomitees. Ihre Großworte können hier abgespielt werden. 

„Im Interesse unserer gesamten Gesellschaft und gerade vor dem Hintergrund der Corona-Krise ist es wichtig, einen sehr präzisen Blick auf die psychische Verfassung der Menschen zu werfen und zu erkennen, wo die neuralgischen Risikobereiche liegen. Die Forschung hat hier gezeigt, dass vor allem wachsende Existenzsorgen, die gewaltigen Herausforderungen im Schul- und Bildungsbereich sowie die Einschränkungen unseres gesellschaftlichen und sozialen Lebens zuletzt zu enormen Zusatzbelastungen geführt haben“, erklärt Dr.med. Ulrike Schmidt, Stellvertretende Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Bonn, die in Österreich intensiv mit der Ludwig Boltzmann Gesellschaft zum Thema psychische Erkrankungen in der Corona-Krise zusammenarbeitet.

WissenschaftlerInnen und PraktikerInnen definieren Maßnahmenpaket

Nach Ansicht der Ludwig Boltzmann Gesellschaft müsse in erster Linie das Angebot der psychotherapeutischen Versorgung umfassend erweitert, sowie der Beruf der Psychotherapie als systemrelevant anerkannt werden. Parallel dazu sei besonderes Augenmerk auf das Schulumfeld zu legen, das sich im Verlauf der Krise als Hochrisiko-Bereich für die Entstehung psychischer Belastungen sowohl für Schüler und Lehrer als auch für die Eltern und damit das gesamte familiäre Umfeld entpuppt hat. Um die psychische Gesundheit in der Bevölkerung nachhaltig zu stärken solle deshalb persönliche Betreuung unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen, der Ausbau von psychotherapeutische Onlineangeboten sowie verpflichtende Homeschooling-Übungstage sichergestellt werden. Mittelfristig brauche es zudem eine Überarbeitung der Erhebung von psychischen Belastungen im Unternehmensbereich, Coaching-Angebote für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie spezielle Krisentrainings für Führungskräfte.

Prominente Unterstützung der Forschungsinitiative

Die Initiative der LBG wurde von einem sechsköpfigen Unterstützungskomitee begleitet, das sich aus namhaften Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammensetzt. „Viele Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie kosten Kraft und gehen nicht spurlos an uns vorüber. Durch die Initiative der Ludwig Boltzmann Gesellschaft stehen uns nun konkrete Maßnahmen zur Verfügung, mit denen den Menschen wirklich geholfen werden kann“, erklärt die Unternehmensberaterin und Gattin des österreichischen Bundespräsidenten, Doris Schmidauer, die gemeinsam mit Caritas-Präsident, Michael Landau, dem Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Wolfgang Fleischhacker, der Stv. Direktorin und Forschungsgruppenleiterin der Universitätspsychiatrie Bonn, Ulrike Schmidt, dem Ehrenpräsidenten von pro mente Austria, Werner Schöny und der Universitätsprofessorin Christiane Spiel, das Unterstützungskomitee bildet.

Forschungsbedarf weiter gestiegen

Im Zuge der Forschungsarbeit konnte die Ludwig Boltzmann Gesellschaft sieben weitere relevante Themenfelder zur wissenschaftlichen Beforschung definieren. Hierbei solle es beispielsweise um die Frage gehen, wie sich psychische Erkrankungen in und während der Krise entwickelt haben und mit welchen mittel- und langfristigen Folgen dadurch zu rechnen ist. Zudem läge in Anbetracht der Fülle an Eindämmungsmaßnahmen nahe, den Umgang der Bevölkerung mit dem Risiko einer Erkrankung genauer zu untersuchen und dabei auch Auswirkungen vorangegangener Traumata, wie Flucht und Krieg miteinzubeziehen.